Donnerstag, 19. März 2015

Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg 2016

WDR 3 Kultur, hier ein schöner Beitrag zum nachhören.
http://www.wdr3.de/programm/sendungen/wdr3kulturammittag/aberglaube-ausstellung-100.html
Stadtanzeiger, Rundschau und ein Filmteam von Siegburg TV haben toll über die Ausstellung berichtet. Danke wir freuen uns natürlich über gute Presse.
Fotos vom Presserundgang. Vorab gabs viele Informationen zur Ausstellung von der Museumsleiterin Dr. Gundula Caspary und dann folgte ein gemeinsamer Rundgang durch die Ausstellung. Die Journalisten waren interessiert und sehr aufmerksam!
Die Hexenverfolgung: in Siegburg wieder ein großes Thema. Ines erklärt das Projekt in_memoriam.


Iris spricht hier über ihre Arbeiten zum Thema "21 Gramm Unsterblichkeit". Es geht um die Versuche eines amerikanischen Arztes, das Gewicht der Seele zu ermitteln. Er kam nach dem Wiegen von Sterbenden zu dem Ergebnis, dass das Gewicht der Seele bei durchschnittleich 21 Gramm liegt.


Zur Eröffnung der Ausstellung sprachen Franz Kuhn (Bürgermeister) und die Leiterin des Stadtmuseums  Dr. Gundula Caspary. Danke für die Lobhudeleien...

 17. Januar, Vernissage. Volles Haus, so lieben wir das.
Das Magische Herbarium war wieder ein Thema zum Nachfragen und genauen Hinsehen. Die Frage nach Rauch von Scheiterhaufen führte zur Erklärung des Räucherns, in dem es in diesen Arbeiten geht. Die getrocknete Pflanzen, die in die Bildoberfläche eingearbeitet geben Hinweise auf magische Praktiken, die mithilfe von Feuer, Kräutern, Harzen und Pflanzenteilen durchgeführt wurden.
Auf viel Zustimmung stößt auch immer „ ... Scherben bringen Glück – aber nur dem Archäologen“  von Iris. Sie persifliert augenzwinkernd den Aberglauben, dass Scherben Glück bringen. Scherbenrituale findet man heute noch bei z. B. Schiffstaufen. Dem Fuchs haben die Scherben allerdings kein Glück gebracht. * Zitat Agatha Christie, 1890-1976

Die eingesperrten Hausdrachen von Iris führen vor Augen, dass viele unserer Exponate auch mit Humor gespickt sind.

Von der Presse als "provoant" betituliert: Dr. Oswalt Kolle von Iris.
Eins der wenigen Exponate, die den Blick über den Tellerrand wagen: Hier gleich ins ferne Afrika: Schaukel-Nkisi. Ines bezieht sich auf afrikanischen Kraftfiguren, die „Nkisi-Skulpturen“. Sie dienen als Gefäße für übernatürliche Mächte. Für jedes menschliche Problem ist ein bestimmter „Nkisi“ zuständig. Jeder Einschlag eines Metallstückes aktiviert den bewohnenden Geist ... wollen wir doch mal sehen, ob der Geist auch hier in Siegburg aktiv werden wird.

Das Projekt «Ethical drift – Ein Indizienprozess», beschäftigt sich mit der Kluft zwischen naturwissenschaftlicher Forschung und der Genesis.
Viele frühere Naturforscher waren sehr gläubig und wollten die biblische Schöpfungsgeschichte durch ihre Erkenntnisse wissenschaftlich untermauern. Zu ihrem Erstaunen und oft auch Bedauern fanden sie Widersprüche, die sie nicht leugnen konnten. So z. B. James Hutton, (1726-1797, Naturforscher und Geologe) der zu dem Ergebniskam, dass die Schöpfung wesentlich älter sein mußte, als anhand der Bibel berechnet worden war.

Zu "Wort" kommen auch Kopernikus, Darwin, Humboldt und last but not least Georges Lemaître (1894-1966, Theologe und Physiker) der als Begründer der Urknalltheorie gilt.

INES BRAUN, «Ohne Titel», 2015, Geige, Gemsenhörner
IRIS STEPHAN, Magisches Herbarium - Rezepte nach Albertus Magnus I-II, 2013, Papiercollage


Die Porta Magica ist eine gemeinsame Installation von uns beiden aus Tür, Schlüsseln und weiteren Materialien. Wir erinnern nicht nur an Übergangsriten wie Geburt, Initiationsriten und Hochzeit, die alle mit Schwellen zu einem neuen Lebensabschnitt zu tun haben, sondern auch an die Pforte als Einfallstür des Bösen, das durch magische Handlungen und Zeichen an der Tür gebannt werden muss. Dazu gehört im weitesten Sinne wohl auch, das heute noch überall verbreitete: C + M + B 2016.

Ines zieht in ihren Schreinen, die Herkunft der „echten“ Reliquien in Zweifel. Der Reliquienhandel war ein florierendes Geschäft und man konnte nie sicher sein, ob nicht ein Schafknochen den Platz einer Heiligenreliquie einnahm. Auf jeden Fall ist das Leder einer alten Reliquintransportkiste in diesen Arbeiten. Also: Echt heilig! Wenn auch nur ein bißchen.
in_memoriam
Da sind sie wieder, die Objekte zum Gedenken an die Opfer von Hexenprozessen. Der Glaube an Magie und Zauberei gehörte lange Zeit zum alltäglichen Leben. Hexensabbat und Teufelsbuhlschaft wurden als ebenso real angesehen wie Ritte auf Besen und Flugsalbe aus Säuglingshaut. Dieses Projekt erinnert an einzelne Menschen, deren Geschichte im Laufe der Zeit nicht gänzlich verloren gegangen ist.


IRIS STEPHAN, 21 Gramm Unsterblichkeit 2016, Mischtechnik auf Leinwand
Sterbende kurz vor und nach Ihrem Tod zu wiegen, scheint eine skurrile Idee zu sein, aber dem amerikanischen Arzt Duncan MacDougall (1866-1920) war es sehr ernst damit. Er wollte das Gewicht der Seele ermitteln um damit ihr Vorhandensein zu beweisen. Seine Messungen ergaben einen durchnittlichen Gewichtsverlust der Patienten nach ihrem Tod von 21 Gramm. Iris Stephan beschäftigt sich mit diesem Phänomen auf leichte und spielerische Weise. In ihrer Malerei wird das Flüchtige, aber auch die Ernsthaftigkeit des Themas in eine andere Sprache übersetzt.
Von allem ein bißchen? Nicht ganz. Wir wollten die vielen Aspekte, die in dieser Ausstellung keinen Platz mehr gefunden haben nicht gänzlich unter den Tisch fallen lassen. Die Reliqien 4. Klassen zum Beispiel, die Außerirdischen und die völlig neuartigen Orakel, die gut für den Hausgebrauch geeignet sind: Die Supptext-Orakel. Mit Heiligenbildchen und Suppenbuchstabennudeln.


IRIS STEPHAN, Jenseitslabor 2014, Installation
Das Jenseitslabor scheint ein Weltempfänger für Signale aus einer postmortalen Welt zu sein. Allerlei wunderliche Geräte sammeln Zeichen, die direkt aus dem Jenseits zu kommen scheinen. Ein Mikrofon wartet auf die Stimmen Verstorbener... Die Datenmengen, die im Labor empfangen und kanalisiert werden, scheinen immens zu sein: Zur Auswertung sind ein schlauer Fuchs und ein Rabe anwesend, die den Datenstrom bändigen.

Die Erdgeister von Ines. Farbstift auf schwarze Pappe. Die Fotos von Iris könnten als eigenständige künstlerische Arbeit durchgehen.

Die "Wilde Jagd" geistert diesmal durch den historischen Keller. Durch den Hexenkeller. Das läßt an Hexen-Jagden denken, aber der Ton, den wir extra für diese Inszenierung aufgenommen haben, lässt Wotans wildes, wütendes Heer lebendig werden. Die tolle Stimme von Bernd Svoboda-Schmidt macht den Keller zu einem Erlebnis! Auf keinen Fall verpassen! Die Aufnahme haben wir in einem Studio des Domradio gemacht. Vielen Dank noch einmal an Hilde Regeniter für ihre Unterstützung.
Also, obwohl wir ja Mit-Urheberinnen sind: immernoch begeistert!

Zerberus bewacht den Eingang in den zweiten Raum vom Keller.
Nochmal ein ganz dunkles Thema: Bana bandoki. Ein Mahnmal zur Erinnerung an die Hexenkinder von Nigeria. Wehrlose Sündenböcke für Armut, Krankheit und Unglück. Damals (Ihre Ahnen in Form der Hexenopfer von Siegburg auf dem Gedenkstein) wie heute verfolgt, verhört, gefoltert. 2007 bis heute ca. 5000 Kinder in Nigeria.
Das "Opus alchemikum", das Alchemielabor von Ines wird in Siegburg die blaue Farbe einbüßen, aber an Archaik durch die gemauerten Rundbögen des Kellers gewinnen. Als ob man eine andere Facette der Installation aufschlägt ...
Für die Dauer der Ausstellung "unser" Stadtmuseum in Siegburg am Markt.

Mittwoch, 18. März 2015

Rundgang durch die Ausstellung Landesmuseum/Herne


Was ist eigentlich Aberglaube, wie grenzt er sich vom „echten“ Glauben ab. Und ist das überall gleich? Diese Fragen und viele mehr beantwortet die Ausstellung „aberGlaube“. Sie stellt dabei archäologische Objekte mit kultischem Hintergrund neben aktuelle Kunstwerke, die ebenfalls das Thema „Glauben“ behandeln.

Opus Alchemicum, 2014. Ines Braun zeigt hier die verschlungenen Pfade und das breite Spektrum der Alchemisten. Ihre ausgelegten „Köder“ lassen an die Astrologie, die Astronomie, die Metall- und Mineralkunde denken, aber auch an die christliche Mystik. Tatsächlich hatten all diese Wissensgebiete, die heute teilweise dem Aberglauben zugerechnet werden, einen starken Einfluss auf die Alchemie. Vermischt mit mythisch gefärbten Spekulationen über die Wandelbarkeit der Elemente war die Transformation vom Unedlen zum Edlen das oberste Ziel der Alchemie.

Die Wilde Jagd, Installation (Braun/Stephan). Zur Mitte der Raunächte steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen. Die Seelen der Verstorbenen, Dämonen und Gespenster haben Ausgang. Sie brechen als wilde Horde auf. Mit Rasseln, Lärm und Jagdrufen braust sie durch die Dunkelheit und gemahnt die Menschen im Haus zu bleiben, um nicht mitgezogen zu werden.

Hausdrachen 2014, Vogelkäfige, Plastiktiere, Trophäenschilder. Iris Stephan verbindet den Drachenmythos mit dem modernen Begriff der „Hausdrachen“. Beiden gemeinsam ist die Vorstellung, furchterregend zu herrschen und Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Künstlerin empfiehlt, mit beiden Mythen ähnlich zu verfahren: sich nicht Bange machen zu lassen, die Ursachen des Schreckens auf eine angemessene Größe zu bringen und in kleinen Vogelkäfigen zu inhaftieren.


Fabelwesen-Magischer Zoo. Drachen, Einhörner, Minotauren, Seeungeheuer, Werwölfe usw. kennen wir aus Märchen, Sagen und phantastischen Erzählungen. Für die Menschen früherer Zeiten waren solche Wesen real, wenn man sie auch noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Zum Teil schon in der Bibel erwähnt, versuchte schon das Mittelalter sie wie andere Tiere zu kategorisieren und
wissenschaftlich zu beschreiben.

Böses Mädchen 2014, Holz, Tierpfote, 66 x 16 x 23 cm, Iris Stephan. Unter dem Deckmantel der keuschen Wasserträgerin offenbart sich, wie aus Versehen, die wilde, tierische Natur der Protagonistin. Da auch der Teufel nur anhand seines Bocksbeines vom normalen Mann unterschieden werden kann, verleiht die Tatze der harmlos scheinenden Figur ähnliche Deutungsvielfalt.

"...Scherben bringen Glück, aber nur den Archäologen" 2014, Fuchsfell, Scherben, ca. 120 x 50 cm. Iris Stephan persifliert augenzwinkernd den Aberglauben, dass Scherben Glück bringen. Wahrscheinlich geht der Ursprung auf alte Opferrituale zurück, in denen das Zerschlagen der Opferschalen am Ende einer Zeremonie eine wichtige Bedeutung hatte. Scherbenrituale findet man heute noch bei z. B. Schiffstaufen. Dem Fuchs haben die Scherben allerdings kein Glück gebracht. Das Titel-Zitat von Agatha Christie (1890–1976) unterstreicht, wer der Nutznießer ist und eröffnet eine zusätzliche Ebene der Arbeit.


Wetterorakel 2014, Iris Stephan
Vera icon (Das wahre Gesicht), Ines Braun
Wetterorakel I-III 2011, Malerei auf Leinwand, 100 x 120 cm. Die menschliche Abhängigkeit von den Launen einer übergewaltigen Natur mündete in viele Facetten des Aberglaubens. Weissagungen
aus Erscheinungen der Tier- und Pflanzenwelt, des Wetters oder der Jahreszeiten wurden zu Verhaltensregeln umgeformt die helfen sollten, ein kleines Stück scheinbare Sicherheit zu erfinden. Iris Stephan kreiert in ihrer Malerei Wetterphänomene, in denen die zuschauenden Menschen selber zum Teil des Orakels.


Kultorte-Licht und Schatten. Kultorte besaßen und besitzen eine besondere Atmosphäre: Einige Orte erzeugen anziehende und begeisternde Empfindungen und gelten als schützenswert und „heilig“. Andere Orte vermitteln eine beunruhigende, abstoßende und abzuwehrende Stimmung. Häufig markieren Menschen diese Stellen durch Symbole oder besondere Gebäude. An „heiligen“ Orten fühlt sich der Mensch den guten Mächten näher und nutzt sie für die direkte Kommunikation, zum Beispiel durch Gebete. An beunruhigenden Orten verhält sich der Mensch besonders respektvoll und versucht, das Böse zu beschwichtigen.

Die Schreine von Ines Braun stellen die Natur als gottgleich-anbetungswürdige Instanz vor. Gehört dieser – durchaus ernst gemeinte – Ansatz der Künstlerin zu Glaube oder Aberglaube? Was bewirkt eine einzelne Meinung und inwiefern spielen Macht und Geld zur Unterstützung des „wahren Glaubens“ eine Rolle? Gleichzeitig zieht Ines Braun die Herkunft der „echten“ Reliquien in Zweifel. Der Reliquienhandel war ein florierendes Geschäft und man konnte nie sicher sein, ob nicht ein Schafknochen den Platz einer Heiligenreliquie einnahm.

Schaukel-Nkisi 2015, Schaukelpferd, Widderschädel, Nägel, ca. 60 x 80 x 40 cm. Ines Braun bezieht sich mit ihrer Arbeit Schaukel-Nkisi auf afrikanischen Kraftfiguren, die „Nkisi-Skulpturen“. Sie dienen als Gefäße für übernatürliche Mächte und sind mit mineralischen, tierischen oder pflanzlichen Substanzen gefüllt, die die gewünschte Kraft anlocken sollen. Für jedes menschliche Problem, aber auch für die Abwehr von Bösem und sogar für den Abschluss von Verträgen ist ein bestimmter „Nkisi“ zuständig. Jeder Einschlag eines Metallstückes aktiviert den bewohnenden Geist und setzt einen Teil der Kraft frei.



Was bleibt 2014, Fotodruck auf Alu-Dibond, je 90 x 120 cm. Die Künstlerinnen beleuchten mit dieser gemeinsamen Arbeit Kulte um den Tod. Ines Braun zeigt mit Steinen beschwertes Papiergeld auf einem Steinsarkophag und Schutzamulette auf einem philippinischen Friedhof,eine Mumie auf Irian-Jaya. Die Unsicherheit von der Vorstellung des Jenseits wirft Fragen auf: Was brauche ich für die Reise ins Jenseits? Wie wehre ich böse Geister ab? Wie sichere ich mir das Wohlwollen meiner Ahnen? Iris Stephan beleuchtet einen gänzlich anderen Umgang mit dem Tod. In ihren Fotos aus einem naturwissenschaftlichen Museum spielt der Tod dieselbe einschneidende Rolle, allerdings mit anderem Ausgang: Das Sammeln lässt den Tod nicht geschehen, sondern setzt ihn als Dreh- und Angelpunkt zugunsten einer „immerwährenden Aufbahrung“ gezielt ein.


 Jenseitslabor 2014, Installation, 300 x 300 x 200 cm. Das Jenseitslabor von Iris Stephan scheint ein Weltempfänger für Signale aus einer postmortalen Welt zu sein. Allerlei Geräte sind an eine großformatige Landebahn für jenseitige Zeichen angebracht. Ein Mikrofon wartet auf Stimmen Verstorbener... Die hellen Flecken am oberen Ende verweisen auf Nahtod-Erfahrungen, die von Reanimierten oft mit einem hellen, nicht näher bestimmbaren Licht beschrieben worden sind. Die Datenmengen, die im Labor empfangen und kanalisiert werden, scheinen immens zu sein: Zur Auswertung ist ein schlauer Fuchs anwesend, der den Datenstrom bändigen soll.

Die Künstlerwerkstatt. Inmitten der Ausstellung angesiedelt, ist die Werkstatt eine im Prozess befindliche Kunstinstallation. Besucher können so die Entstehung von Kunst live mitverfolgen.


in_memoriam In Gedenken an die Opfer von Hexenprozessen. Der Glaube an Magie, Zauberei gehörte lange Zeit zum alltäglichen Leben. Hexensabbat und Teufelsbuhlschaft wurden als ebenso real angesehen wie Ritte auf Besen und Flugsalbe aus Säuglingshaut. So verschieden die Vorwürfe der Hexerei waren und so unterschiedlich die Folterungen im Prozessverlauf, eins eint alle Hexen und Zauberer: Sie waren Opfer des Aberglaubens. Die aufgeschnittenen Handtaschen symbolisieren die an die Öffentlichkeit gezerrte Intimität der Angeklagten. Die Buchdeckel von alten Gesangbüchern und Bibeln erinnern nicht nur an die Rolle der kirchlichen Inquisition, sondern verweisen auch auf die Erfindung des Buchdrucks, durch den die massenhafte Verbreitung des „Hexenhammers“ und anderer Hetzschriften erst möglich wurde. Durch den Hass in diesen Werken wurden die Scheiterhaufen bevölkert und Wege aufgezeigt, um „... aus  Menschenblut Gold zu machen“.

Bauopfer… so muß was Lebiges hinein!“ Bis weit in die Neuzeit glaubten viele Menschen, dass der Einschluss von etwas Lebendigem in das Mauerwerk einem Bauwerk Bestand verleiht. Ob man auch
Menschen für solche Bauopfer tötete, ist nicht restlos geklärt, Tieropfer sind eindeutig belegt. Die Katze aus Netphen war möglicherweise schon tot, als man sie einmauerte. Ob dieser Zauber wohl noch wirkte? Objekt: Katzenmumie, Fundort: Netphen-Irmgarteichen, Kreis Siegen-Wittgenstein, Datierung: 16. bis Mitte 17. Jahrhundert
Magisches Herbarium 2013, Mischtechnik auf Leinwand, 160 x 120 cm. In diesen Bildern scheint Rauch von Scheiterhaufen aufzusteigen. Unklar und der Phantasie des Betrachters überlassen bleibt, ob es sich um Hexenfeuer oder Brandopfer handelt. Die entscheidende Rolle spielen getrocknete Pflanzen, die Iris Stephan in die Bildoberfläche eingearbeitet hat um so Hinweise auf magische Praktiken zu geben. Das Räuchern gehört wohl zu den ältesten rituellen Praktiken überhaupt.




Amulette, (Ines Braun) 2011, Pfeife, Puppenhand, Puppenaugen.


Die Führungen durch die Ausstellung scheinen großen Anklang zu finden.
Das Orator-Programm (Sonden und Raumkörper) 2012, 12 Objekte. Ines Braun stellt uns mit dieser Objektgruppe ein fiktives Weltraumensemble vor. Es besteht aus Sonden, Landern und Rovern mit spezifischen Forschungsaufgaben in fremden Galaxien. Es beleuchtet nicht nur den menschlichen Wissensdrang, sondern auch das Nichtwissen als Raum für Spekulationen und abergläubischabstruse Vorstellungen.


HaarHäuschen, 2014, Kunsthaar, Holz, Ledereinband, ca. 14 x10 x 10 cm. Durch den Einsatz von Feuer geraten die versengten Häuschen „schicksal kaputt“ und „himmel vielleicht“ zu einem Schaudern machenden seriellen Stillleben. Auch „Ein feste Burg ist unser Gott“ enthält diese klamme Doppelbödigkeit aus niedlichem Haus und Gewalteinwirkung. Hier hat die Künstlerin den ledernen Einband eines alten Gesang-Buches auf eines der Häuschen montiert. Anstelle eines „Eingangs“ prangt nun ein bedrohliches Kruzifix auf der Front. Kirche und ihre sakralen Katechismen als hermetische Black-Box eines uneinsehbaren Geschehens: Einleuchtender und gleichzeitig augenzwinkernder kann sich Kritik nicht spiegeln. Andreas Richartz
Rolf A. Kluenter realisierte seinen Film in Begleitung der beiden Künstlerinnen während der Durchführung, sowie den Vorbereitungs- und Nachbereitungs-Phasen ihrer Shanghaireise im Herbst 2014. Der Mix aus Dokumentarischem und Inszeniertem bestimmt das Gespür von Timing, den Rhythmus unterschiedlicher Erzählebenen, den Aufbau der Szenen und die Emotionalität, die den Film durchziehen. RAPTURE IN TRANSIT moments of magical thinking, HD-video, 2014-2015 “Ekstase im Übergang - Momente des magischen Denkens” zeichnet ein Paradox: auf der Suche nach verbindlich dauerhafter Freude und Begeisterung mit den Fähigkeiten des all-umfassenden Sehens und Erfahrens finden sich sechs Protagonisten im Prozess eines starken Wandels mit unbeständig flüchtigen Momenten wieder.